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Sonderpädagogische Massnahmen und Förderangebote

Sonderpädagogische und weiter Unterstützungsmassnahmen im Sinn der §§ 28 bis 42 RRV VG dienen der individuellen und angepassten Förderung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Förderbedürfnissen. Davon zu unterscheiden ist die Sonderschulung für Kinder und Jugendliche, denen die regulären pädagogischen Massnahmen nicht mehr gerecht werden.

Aufgabenhilfe

Soweit Hausaufgaben erteilt werden, sollen der Schüler oder die Schülerin sie innert angemessener Frist selbständig lösen können.

Für Kinder, die ihre Aufgaben nur sporadisch oder gar nicht erledigen, weil die häuslichen Voraussetzungen ungünstig sind, kann die Anordnung einer Aufgabenhilfe gemäss § 29 RRV VG sinnvoll sein. Die Schule sorgt in diesem Fall dafür, dass das betreffende Kind seine Hausaufgaben unter Aufsicht einer geeigneten Person an einem ruhigen Ort lösen kann. Die Aufsichtsperson muss ihm bei der Lösung nicht behilflich sein, sondern nur darauf achten, dass die Aufgaben vollständig und sauber erledigt werden. Es empfiehlt sich, mehrere Schüler und Schülerinnen in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Eltern haben die Kosten der Aufgabenhilfe zu übernehmen, sofern die Schulbehörde nicht anders entscheidet.

Dispensationen

Wenn eine Schülerin oder ein Schüler individuelle minimale Ziele in keiner Art und Weise mehr erreichen kann und einer hohen schulischen Belastung ausgesetzt ist, kann die Schulgemeinde mit dem Einverständnis der Erziehungsberechtigten in besonderen Ausnahmefällen eine Dispensation (Lernzielanpassung von einem ganzen Fach) bewilligen. Die Schulaufsicht ist vorgängig zu informieren.

Dispensationen für Fremdsprachen unterliegen den gleichen Regelungen wie die andern obligatorischen Schulfächer.  Eine Dispensation von einem Fach bedeutet eine drastische Reduktion von Entwicklungschancen. Ein späterer Wiedereinstieg ist praktisch nicht mehr möglich.

Förderkonzept

Jede Schulgemeinde erlässt ein Förderkonzept, welches folgende Bereiche regelt:

  • Zielsetzung und Festlegung der sonderpädagogischen Massnahmen sowie der Massnahmen der Begabtenförderung
  • Umgang mit sonderschulbedürftigen Kindern
  • Verfahren und Zuständigkeiten betreffend Anordnung von Massnahmen
  • Zusammenarbeit aller beteiligten Personen
  • Weiterbildung
  • Art und Periodizität der Überprüfung der Wirksamkeit der individuellen Massnahmen

Höherschwellige Sonderpädagogische Massnahmen

Sonderpädagogische Massnahmen gemäss § 32 RRV VG sinnd höherschwellige Angebote. Sie sind insbesondere bei besonderem Förder- und Unterstützungsbedarf im Zusammenhang mit Teilleistungsschwächen wie Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen, Bewegungsauffälligkeiten, Auffälligkeiten der Sprache und des Sprechens oder Verhaltensschwierigkeiten anzuordnen.

Soweit möglich sind die Massnahmen integriert in der Regelklasse durchzuführen. Andernfalls erfolgen sie in separaten Klassen, so genannten Sonderklassen. Die Durchführung der sonderpädagogischen Massnahmen erfolgt durch von der EDK anerkannte Fachpersonen wie Logopädinnen und Logopäden, Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen oder Psychomotoriktherapeutinnen und -therapeuten. Sie sind kostenlos. Der Entscheid erfolgt durch die Schulbehörde oder die Schulleitung.

Eine heilpädagogische Unterstützung geht das individuelle Problem eines einzelnen Kindes oder einer Schülergruppe gezielt und unter Einbezug aller betroffenen Personen an. Sie soll den Kindern und Jugendlichen sofern sinnvoll das Verbleiben in der Regelklasse ermöglichenen.

Lernzielanpassung

Wenn ein Kind trotz individuell angepasstem Unterricht und sonderpädagogischer Massnahmen Lernziele nicht erreicht, kann eine Lernzielanpassungen bewilligt werden. (§ 42a VG) Die Lernziele werden in einem solchen Fall im Sinne einer individuellen Förderung angepasst.

Die Handreichung kann auch auch bei der Ausgestaltung eines Förderkonzepts hilfreich sein.

Nachhilfeunterricht

Der Nachhilfeunterricht gemäss § 30 RRV VG dient dazu, Wissenslücken eines Kindes in Bezug auf den in der Klasse behandelten Stoff innert nützlicher Frist zu schliessen. Solche Wissenslücken können etwa bei längerer Abwesenheit infolge Krankheit oder Unfall, bei persönlichen oder familiären Krisen oder Zuzug aus einem anderen Kanton entstehen. Nachhilfeunterricht macht nur Sinn, wenn das Kind die nötigen Lernvoraussetzungen mitbringt.

Die Lehrperson des Kindes erteilt den Nachhilfeunterricht im Rahmen ihres Lehrauftrages. Der Nachhilfeunterricht ist deshalb unentgeltlich. 

Niederschwellige Sonderpädagogische Massnahmen

Stütz- und Fördermassnahmen gemäss § 31 RRV VG sind niederschwellige Massnahmen. Sie werden angeordnet, wenn Schülerinnen und Schüler in einzelnen Bereichen keine genügende Leistung zu erbringen vermögen. Darunter fallen auch die Massnahmen für fremdsprachige Kinder, z.B. Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Die Durchführung erfolgt durch geeignete Personen, etwa durch Lehrerinnen oder Lehrer oder Assistenzpersonen. Sie sind in der Regel kostenlos. Der Entscheid erfolgt durch die Schulbehörde oder die Schulleitung.

Repetition

Repetitionen dürfen nur angeordnet werden, wenn zu erwarten ist, dass damit Leistungsprobleme oder Rückstände in der persönlichen Entwicklung langfristig beseitigt werden können. An der Primar- und Sekundarschule kann höchstens je einmal repetiert werden. (§ 43 VG; § 40 RRV VG)

Eine Repetition ist in vielen Fällen problematisch und führt nur selten zum gewünschten Erfolg. Entsprechend zurückhaltend sollte davon Gebrauch gemacht werden. Eine Repetition kann in folgenden Fällen sinnvoll oder gar notwendig sein:

  • aufgrund sehr langer Schulausfälle oder ähnlicher Gründe sind so grosse Lücken entstanden, dass sich diese nicht mehr mit vernünftigem Aufwand individuell schliessen lassen.
  • der Unterschied in der körperlichen, sozialen oder emotionalen Entwicklung zu den anderen Kindern der gleichen Klasse ist übermässig und bereitet schulische Probleme. 

Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit unterstützt die Schulen im Umgang mit sozialen Herausforderungen und stärkt die Kontaktfelder zwischen der Volksschule und ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Eine Handreichung informiert über Arbeitsweise und Wirkungsebenen der Schulsozialarbeit sowie mögliche Organisations- und Finanzierungsmodelle:

Sonderklasse

Sonderklassen haben die Aufgabe, schulbildungsfähige Kinder mit allgemeiner Lernbehinderung oder Verhaltensauffälligkeiten unter Berücksichtigung ihrer Schwierigkeiten gezielt zu fördern. In einer Sonderklasse kann unter Umständen besser auf besondere Lernprobleme und das individuelle Lerntempo eingegangen werden als in einer Regelklasse.